Aktuelles

An dieser Stelle möchten wir Sie gerne auf Veranstaltungen und Neuigkeiten rund um Island hinweisen.

 



Mit kleinen Schritten in Richtung Normalität

Mit Sicherheit genügend Abstand. Bild von Jens Fahrenbach für DIG.
Mit Sicherheit genügend Abstand. Bild von Jens Fahrenbach für DIG.

 

In Corona-Zeiten setzen die Isländerinnen und Isländer auf Kontinuität. Bei der Präsidentenwahl am 27. Juni 2020 gelang Amtsinhaber Gudni Jóhannesson ein haushoher Sieg. Mit 92% der Stimmen gewann der 53-Jährige klar vor seinem Herausforderer, dem Geschäftsmann Gudmundur Franklìn Jónsson.

 

Für den parteilosen Historiker Jóhannesson, der bis zu seiner Wahl im Jahr 2016 an der Universität Island zur modernen Geschichte des Inselstaates forschte, ist es die zweite Amtszeit. Wie in Deutschland kommt dem isländischen Präsidenten eine vorwiegend repräsentative Rolle zu. Er kann allerdings seine Zustimmung zu Gesetzen verweigern. Jóhannesson hatte im Wahlkampf vor vier Jahren betont, dass das Volk die Möglichkeit erhalten solle, umstrittene Fragen in einem Referendum zu klären.

 

Die hohen Zustimmungswerte für den Amtsinhaber sind auch deshalb bemerkenswert, weil Island von der Corona-Krise besonders stark getroffen wurde. Die Arbeitslosigkeit ist hochgeschnellt; viele Angestellte und Selbständige kamen nur dank der von der Regierung beschlossenen Lohnfortzahlungen durch die Krise. Insbesondere der Tourismus, Islands wichtigster Wirtschaftszweig, leidet.

 

Vorsichtige Öffnungen

 

Nach Jahren des rasanten Wachstums kam die bisherige Boombranche zeitweise zum Erliegen. So wurden im April gerade noch 924 Besucherinnen und Besucher gezählt – die niedrigste Zahl seit 1961. Zwar sind die Grenzen für ausländische Gäste seit Mitte Juni wieder geöffnet. Aber die Nachfrage ist gering; insbesondere das Einreiseverbot für Touristinnen und Touristen aus den USA und Asien wirkt sich aus.

 

Die Regierung setzt derweil auf vorsichtige Öffnungen: Durften in der Hochphase der Pandemie maximal 20 Personen zusammenkommen, sind es jetzt bis zu 200. Bars und Gaststätten haben wieder geöffnet, die Abstandsregeln wurden weiter gelockert. Betreiber von Restaurants, Theatern oder Läden müssen lediglich dafür sorgen, dass ihre Gäste einen freiwilligen Abstand einhalten können – wenn sie dies wollen.  

 

Die Leiterin der nationalen Tourismusbehörde Visit Iceland, Sigrídur Dögg Gudmundsdóttir, setzt denn auch auf die besonderen Vorzüge der Insel: Man könne hier ohne Einschränkungen herumreisen und sich zunutze machen, dass Island so dünn besiedelt sei wie kein anderes Land in Europa. 

 


Kultur-Tipps für Corona-Tage

Theater, Museen, Kultureinrichtungen sind geschlossen. Was machen wir heute? Wir haben einige Kultur-Tipps für Sie:

Opern- und Konzerthaus Harpa in Reykjavík. Bild von Aline Dassel auf Pixabay.
Opern- und Konzerthaus Harpa in Reykjavík. Bild von Aline Dassel auf Pixabay.

 

Unter dem Motto „At home in Harpa“ bietet das Opern- und Konzerthaus in Reykjavík aktuell Konzerte für Zuhause:

https://www.youtube.com/user/HarpaReykjavik

 

Sprachkurse vom Survival-Kurs für Anfänger bis zum Isländisch für Fortgeschrittenen gibt es hier:

https://icelandiconline.com/courses

 

Isländisches Kino – von Kurzfilmen über Musik- und Naturfilme – können Sie hier streamen:

http://www.icelandiccinema.com/deutsch

 

Alles über Islands Vulkane, darunter Eyjafjallajökull, finden Sie hier:

 

http://futurevolc.vedur.is/

 


Islands Umgang mit der Corona-Krise

Abstand halten ist auf Island leichter als andernorts. Bild von Monica Volpin auf Pixabay
Abstand halten ist auf Island leichter als andernorts. Bild von Monica Volpin auf Pixabay

 

Einen Urlaub, der in Erinnerung bleibt, wünschen sich alle. Doch für die Reisenden, die im Februar aus dem Skiurlaub in Tirol zurückkehrten, kam in Island das böse Erwachen: Sie hatten das neue Corona-Virus mitgebracht. Am 28. Februar wurde der erste Fall bestätigt.

 

Schon eine Woche später, am 6. März, wurde der Krisenstand in dem rund 360.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zählenden Inselstaat ausgerufen. Seither heißt es auch auf Island Abstand halten. Versammlungen mit mehr als 20 Personen sind verboten, weiterführende Schulen und Universitäten geschlossen, viele Beschäftigte im Homeoffice. Kindergärten und Grundschulen sind zwar noch geöffnet, laufen aber meist im Schichtbetrieb, um die Gruppen möglichst klein zu halten.

 

Die Corona-Krise bleibt auch in Island nicht ohne Auswirkungen auf die Wirtschaft. Der Tourismus, der den wichtigsten Wirtschaftssektor darstellt, ist stark eingebrochen. Zwar können Reisende aus EU- und EFTA-Ländern weiterhin einreisen, aber für alle anderen Länder gelten strikte Einreisebeschränkungen. Viele Beschäftigte sind in Kurzarbeit.

 

In dieser Woche hat die isländische Regierung angekündigt, die Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie zu lockern; sie folgt damit dem Beispiel Dänemarks und Norwegen. Ab dem 4. Mai sollen die Schulen wieder normalen Unterricht bieten, ebenso Universitäten und Hochschulen. Friseurläden, Massagepraxen, aber auch Museen können wieder öffnen. Damit gehört Island zu den Ländern, die zu einem frühen Zeitpunkt das Alltagsleben wieder anlaufen lassen.

 

Vorausschauendes Vorgehen in der Pandemie

 

Auch in anderer Hinsicht war Island vorneweg: Die Insel gilt als internationales Musterbeispiel für einen vorausschauenden Umgang mit dem neuen Krankheitserreger. Bereits Anfang Februar, also Wochen vor dem Ausbruch der Pandemie auf der Insel, begannen die Gesundheitsbehörden mit Screenings auf das SARS-CoV-2-Virus. Im weltweiten Vergleich hat der Inselstaat die meisten Tests pro Kopf der Bevölkerung durchgeführt, um Informationen zu erhalten, wie sich das Virus in der Gesellschaft entwickelt. Das Gesundheitswesen testet dabei nur Personen, die Krankheitssymptome zeigen. Freiwillige Tests für die gesamte Bevölkerung bietet hingegen das Unternehmen Decode Genetics, eine Tochterfirma des US-Biotech-Konzerns Amgen.

 

Da Island nur wenige Einreisepunkte hat und zudem die niedrigste Bevölkerungsdichte in ganz Europa, konnten Infizierte rasch identifiziert und schnell Maßnahmen ergriffen werden. Mehr als 1.700 Personen haben sich mit der Krankheit infiziert, mehr als 100 wurden im Krankenhaus behandelt, wie Islands Fremdenverkehrsamt auf seiner Website berichtet (Stand: 15.04.2020). Fünf Menschen sind bisher an bzw. mit der Krankheit gestorben.

 

Als erstes europäisches Land hat Island zudem Anfang April eine Kontakt-App eingerichtet: „Rakning-Covid-19“, die die Bewegungsprofile der Nutzer aufzeichnet, wurde von der isländischen Zivilschutzbehörde und dem Gesundheitsdirektor entwickelt. Ihre Nutzung ist freiwillig. Das Angebot wird angenommen: Bisland hat mehr als ein Drittel der Bevölkerung die App aufs Handy geladen. Dazu dürfte sicherlich auch beigetragen haben, dass die Datenschutzbehörde von Anfang an in die Entwicklung der Tracking-App einbezogen war; auch ist der Programmiercode öffentlich, kann also überprüft werden.

 

Und klar ist auch: Der Corona-Exit soll schrittweise erfolgen, wie Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir und Gesundheitsministerin Svandis Svavarsdóttir auf einer Pressekonferenz am Dienstag nach Ostern mitteilten. Und: Die Zwei-Meter-Abstandsregel bleibt bestehen; Sozialkontakte sollen auch weiterhin auf ein Minimum begrenzt werden.

 


Buch-Tipp

Ingólfur. Leben in Island von Jochen Windheuser

 

Verlag: Books on Demand - Paperback, 328 Seiten

Erscheinungsdatum: 12.02.2020

Sprache: Deutsch

 

In diesen Tagen haben viele von uns mehr Zeit zum Lesen. Unser Buch-Tipp: Ingólfur. Leben in Island – geschrieben von DIG-Mitglied Jochen Windheuser.

 

Der Roman erzählt die Geschichte des Titelhelden, der im 13. Jahrhundert im Schwanenfjord – ein Fjord im Südosten der Insel – aufwächst. Das Erstlingswerk verknüpft die Mentalität der Isländerinnen und Isländer mit den Besonderheiten des Inselstaates und isländischer Geschichte.

 

Der junge Ingólfur ist ganz anders als seine Altersgenossen: sensibel, träumerisch und sprachlich begabt. Auf der Reise zu Snorri Sturluson, dem bedeutendsten Dichter Islands, durchquert er das Hochland, begegnet seltsamen Mitmenschen und wird Zeuge brutaler Kriege. Fasziniert von dem Dichter Snorri (den es übrigens wirklich gab), bildet sich Ingólfur literarisch, macht persönliche Krisen durch und muss schließlich auch das Scheitern seines Lehrmeisters erleben. Die Rückkehr in die heimatliche Elfenwelt bringt ihm inneren Frieden und Glück.

 

Windheuser, der 1946 im Ruhrgebiet geboren wurde und heute im Bremer Norden lebt, bezeichnet sich selbst als "literarischen Spätentwickler". Island sei sein "Sehnsuchtsland", und der Roman berühre "viele Themen meines Lebens". Wir wünschen dem Buch viele Leserinnen und Leser.

 

Das Buch ist bei www.bod.de/buchshop/ bestellbar oder im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7504-3770-8) und kostet 12,99 Euro.