11.04.2026
Geht es nach den Bürgerinnen und Bürgern in Island, bleibt alles wie es ist: In den jüngsten Umfragen lehnt eine Mehrheit der Befragten eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU) ab. Ein deutlicher Dämpfer für die Regierung, die aktuell für einen Beitritt wirbt.

Nein. Diese Antwort haben die Meinungsforschenden in den jüngsten Umfragen am häufigsten gehört. Mehr als die Hälfte der befragten Isländerinnen und Isländer lehnen einen Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union (EU) ab. Dies berichteten der nationale Rundfunksender RÚV und weitere isländische Medien in dieser Woche.
Für die Regierung von Premierministerin Kristrún Frostadóttir könnte das für den 29. August 2026 geplante Referendum über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgespräche daher nach jetzigem Stand ein Fiasko werden.
Bei der Abstimmung sollen Islands Wahlberechtigte darüber entscheiden, ob das Land zum zweiten Mal seit 2010 Verhandlungen mit der EU aufnimmt. Hintergrund für den politischen Kurswechsel sind die geopolitischen Verwerfungen in der Ukraine und der Arktis, die auch in Island große Sorgen hervorrufen.
Doch nachdem die ersten Signale positiv waren, scheint es nun wenige Monate vor der entscheidenden Abstimmung einen Sinneswandel unter den Wählerinnen und Wählern zu geben.
Nach den jüngsten Erhebungen des Meinungsforschungsinstitutes Gallup für die wöchentlich erscheinende Wirtschaftszeitung Viðskiptablaðið lehnen 47 Prozent der Befragten eine EU-Mitgliedschaft ab, 40 Prozent sprechen sich dafür aus; 13 Prozent sind demnach unentschieden.
Damit ist die Zahl derer, die einen EU-Beitritt ablehnen, gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent gestiegen, während die Anzahl der befragten Bürgerinnen und Bürger, die für eine Mitgliedschaft sind, um vier Prozent gesunken ist.
Werden nur diejenigen einbezogen, die eine Meinung zu dem diskutierten Betritt haben, steigt die Zahl der Opponenten auf 54 Prozent, die der Befürworter liegt bei 46 Prozent.
Ablehnung und Zustimmung nach Parteien
Die größte Unterstützung gibt es mit mehr als 80 Prozent aus dem Lager der regierenden Sozialdemokratischen Allianz (Sjálfstæðisflokkurinn) sowie der liberalen und EU-freundlichen Reformpartei (Viðreisn); bei der dritten Kraft im Koalitionsbündnis, der Volkspartei (Flokkur fólksins), liegt die Zustimmung bei 49 Prozent; 32 Prozent der Unterstützerinnen und Unterstützer der linkspopulistischen Partei lehnen eine Aufnahme in die EU ab.
Sämtliche Oppositionsparteien im isländischen Parlament, dem AlÞing, stehen einer EU-Mitgliedschaft laut den Umfragen ablehnend gegenüber: Mehr als 80 Prozent der Anhängerinnen und Anhänger der konservativen Unabhängigkeitspartei (Sjálfstæðisflokkurinn) sowie der Fortschrittspartei (Sjálfstæðisflokkurinn), die als Partei der politischen Mitte die bäuerlichen Interessen vertritt, wollen nicht Teil der EU werden; bei der nationalkonservativen und traditionell EU-skeptischen Zentrumspartei (Miðflokkurinn) sind es sogar 90 Prozent.
Bereits nach der Wahl 2013 hatte die damals neu ins Amt gekommene Mitte-Rechts-Regierung die 2010 begonnenen Beitrittsgespräche auf Eis gelegt.
2015 zog Island seine Kandidatur für eine EU-Mitgliedschaft offiziell zurück – mit der Begründung, dass die Interessen des Landes außerhalb Europas besser vertreten seien; die Bevölkerung hatte sich schon damals skeptisch gezeigt, insbesondere wegen der Fischereipolitik.
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