01.03.2026

"Nicht um jeden Preis"

Islands Regierungschefin Kristrún Frostadóttir hat nach Gesprächen mit ihrem polnischen Amtskollegen Donald Tusk die roten Linien für einen Beitritt des Inselstaates zur Europäischen Union formuliert und klargestellt, wovon ein solcher Schritt abhängen wird.

 

Europa-Palast in Strasbourg. Bild von Simon auf Pixabay.
Rote Linien für Islands EU-Beitritt formuliert. © Simon auf Pixabay.

Island Premierministerin Kristrún Frostadóttir zieht rote Linien, wenn es um den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union (EU) geht.

 

Nach einem Gespräch mit dem polnischen Ministerpräsidenten und früheren Präsidenten des Europäischen Rates, Donald Tusk, am Donnerstag in Warschau machte sie deutlich, dass sich nichts an dem bestehenden Fahrplan geändert habe.

 

Über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen werde in einem landesweiten Referendum entschieden, betonte die isländische Regierungschefin.

 

Beitrittsgespräche hätten noch nicht begonnen, und der Inselstaat werde der Europäischen Union nicht um jeden Preis beitreten, sagte sie dem nationalen Rundfunksender RÚV. “Wenn wir uns auf diese Reise begeben, braucht es eine gute Einigung.“

 

Ihr sei bewusst, dass es in der Bevölkerung Vorbehalte gegen einen solchen Schritt gebe, aufgrund der Vorgeschichte und weil sich Island in einigen Punkten deutlich von Europa unterscheide.

 

Frostadóttir: "Sonderrolle Islands"

 

So befinde sich das Land aufgrund seiner Insellage in einer Sonderrolle. Zudem müssten die natürlichen Ressourcen bei allen Verhandlungen berücksichtigt werden. Ein besonderes Augenmerk gelte dabei der isländischen Fischindustrie.

 

2015 hatte Island seine Kandidatur für eine EU-Mitgliedschaft offiziell zurückgezogen – mit der Begründung, dass die Interessen des Landes außerhalb Europas besser vertreten seien; auch die Bevölkerung blieb weiterhin skeptisch, insbesondere wegen der Fischereipolitik.

 

Bereits nach der Wahl 2013 hatte die damals neu ins Amt gekommene Mitte-Rechts-Regierung die 2010 begonnenen Beitrittsgespräche auf Eis gelegt.

 

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und der Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hatte sich Island der EU zuletzt aber wieder angenähert.

 

Das isländische Parlament wird nach dem Willen der Regierung Frostadóttir bis zum Sommer darüber abstimmen, ob ein Referendum über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union stattfinden soll.