07.04.2021

Islands Quarantänehotel ist nicht zulässig

Damit sich das Corona-Virus nicht im Land verbreitet, hat Island ausländische Reisende gleich nach der Ankunft in ein staatliches Quarantänehotel geschickt. Die zwangsweise Unterbringung sei nicht zulässig, urteilte jetzt ein Gericht.

 

 

Islands Quarantänehotel ist in der jetzigen Form nicht zulässig. Das hat jetzt das Bezirksgericht in Reykjavík entschieden, wie das Online-Magazin Reykjavík Grapevine gestern berichtete.

 

Die Richter bemängelten, dass es keine ausreichende Rechtsgrundlage für die verpflichtende Unterbringung von Reisenden gegeben habe. Sofern diese eine geeignete private Unterkunft vorweisen können, müsse eine Quarantäne auch dort möglich sein. Mehrere Quarantäne-Gäste hatten gegen ihre Unterbringung geklagt.

 

Islands Chefepidemiologie Þórólfur Guðnason bezeichnete den Richterspruch als „bedauerlich“. Die Quarantäne sei der beste Weg, um sicherzustellen, dass sich Reisende aus dem Ausland an die bestehenden Corona-Regeln hielten. Die Behörden wollen Berufung gegen das Urteil einlegen.

 

Seit dem 1. April 2020 müssen sich Personen, die aus Hochrisikogebieten nach Island einreisen, fünf Tage lang in dem Quarantäne-Hotel isolieren. Die Risikogebiete basieren auf der Einschätzung des isländischen Chefepidemiologen. Es handelt sich um Länder, in denen die 14-Tage-Inzidenz  bei mehr als 500 je 100.000 Einwohner:innen liegt. Die Liste umfasst derzeit unter anderem Frankreich, die Niederlande und Polen.

 

Corona-Infektionen durch Einreisende

 

Einreisende, die sich nicht an die Corona-Regeln gehalten haben, werden für Gruppeninfektionen unter der isländischen Bevölkerung verantwortlich gemacht. Seit der Eröffnung am 1. April sind bereits mehrere Reisende im Quarantänehotel positiv auf Covid-19 getestet worden.

 

Die Organisation der Quarantäneeinrichtung erfolgt durch die isländische Krankenversicherung; das Rote Kreuz ist für den Service in den Häusern zuständig. Mit der Desinfektion wurde ein Spezialunternehmen beauftragt, die Reinigung obliegt dem Fosshótel selbst. Neuankömmlinge wurden bisher direkt vom Flug- oder Fährhafen ins Quarantänehotel geschickt.

 

Nach dem Gerichtsurteil wurden die Betroffenen informiert, dass sie sich an einem anderen Ort isolieren könnten, sofern sie sich nachweislich an die Quarantäne-Bestimmungen halten.

 

Gesundheitsministerin Svandis Svavarsdóttir und Chefepidemiologie Þórólfur Guðnason wollen nun über weitere Schritte beraten, um das Risiko von Corona-Infektionen zu minimieren. Es sei zu hoffen, dass die Regierung den Rechtsrahmen für die Quarantäne-Unterbringung zügig anpasse.

 

Seit gestern dürfen Reisende aus Ländern außerhalb des Schengenraumes nach Island einreisen, wenn sie eine Impfung oder aber eine überstandene Covid-Erkrankung nachweisen können. Beim Grenzübertritt ist gleichwohl ein Test erforderlich. 


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