05.07.2026
In ihrem großartigen Roman Der Film geht die isländische Schriftstellerin Kristín Eiríksdóttir der Frage nach, wie viel Wahrheit eine Geschichte verträgt. Das Leben von Ex-Junkie Villa gerät durch das titelgebende Filmprojekt einmal mehr aus den Fugen.

Ein Film wie ein Menetekel. Nach Jahren am Abgrund ist Villa endlich clean. Sie lebt mit ihrem sechsjährigen Sohn Haki in Reykjavík, wo sie aufgewachsen ist, und hält sich mit Job über Wasser. In der Bar, in der sie bedient, trifft sie auf Dimitri, genannt Dimmi, ein Jugendfreund, der heute auf einem Walfangschiff arbeitet.
Villa erinnert sich an ihren einstigen Traum und das Studium an der Filmhochschule. Sie beschließt, einen Film über Dimmi zu drehen.
Doch das Filmprojekt reißt alte Wunden wieder auf. In Rückblenden erzählt die isländische Schriftstellerin Kristín Eiríksdóttir von Villas Kampf gegen den Alkohol und ihren Versuch, ein normales Leben zu führen.
Villas Film über Dimmis Geschichte erinnert an ihre eigene Vergangenheit: als Kind vernachlässigt und misshandelt, dann drogenabhängig und in die Kleinkriminalität abgerutscht. Und so gerät der Streifen arg unkritisch, und als er bei einem Dokumentarfilmfestival gezeigt wird, ist das Urteil der Anwesenden vernichtend.
Vernichtendes Urteil
Dimmi soll eine Frau zur Prostitution gezwungen haben, was im Film nicht erwähnt wird. Ein fataler Fehler, wie alle finden. Die Empörung ist groß.
Nach diesem Desaster wird Villa erneut rückfällig, und es gelingt ihr gerade noch, ihren kleinen Sohn bei Verwandten unterzubringen.
In ihrem Roman geht Kristín Eiríksdóttir – eine der bekanntesten literarischen Stimmen Islands – der Frage nach, ob man sich immer positionieren und erklären muss und ob man auch kritikwürdige Zustände kritiklos darstellen darf.
Verschiedene Erzählstimmen liefern ihre ganz eigene Sicht der Dinge. Es gibt, das zeigt Der Film, nicht nur die eine Wahrheit, nicht nur Schwarz und Weiß, sondern ganz viel dazwischen.