10.01.2026

Island sagt Grönland Solidarität zu

Vor dem Hintergrund der von Präsident Donald Trump erneuerten US-Besitzansprüche hat die isländische Premierministerin Kristrún Frostadóttir zugesagt, Grönland in seinem Streben nach Unabhängigkeit von Dänemark zu unterstützen. Andere werden deutlicher.  

 

Luftaufnahme von Häusern in Grönland. Bild von Visit Greenland auf Unsplash.
Im Visier von US-Präsident Trump: Grönland. © Visit Greenland auf Unsplash.

Islands Regierung hat Grönland volle Solidarität in der neuerlichen Debatte um Besitzansprüche der USA zugesichert. Island unterstütze Grönland und sein Streben nach Unabhängigkeit, sagte Premierministerin Kristrún Frostadóttir.

 

Deutlicher wurde Musikerin Björk, die Grönländerinnen und Grönländer in einem Social Media-Post aufforderte, für ihre Souveränität zu kämpfen.

 

US-Präsident Trump hatte in den vergangenen Jahren immer wieder sein Ziel bekräftigt, die Kontrolle über die zu Dänemark gehörende Insel übernehmen zu wollen.

 

Trumps neuerlicher Vorstoß zu Jahresbeginn wird auch in Island aufmerksam verfolgt.

 

Dänische Kolonien 

 

Wie Grönland war Island von 1380 bis 1944 eine dänische Kolonie; im Zweiten Weltkrieg erklärte es seine Unabhängigkeit. Gleichwohl war die isländische Außenpolitik in den Folgejahren stark auf die USA ausgerichtet, bis 2006 die letzten US-Truppen von der Airbase in Keflavík abzogen.

 

Auch Grönland hat für die USA bis heute eine große geostrategische Bedeutung. Die Insel ist nicht nur – wie Island – ein strategischer Knotenpunkt; in der Region gibt es auch zahlreiche Bodenschätze wie Seltene Erden.

 

Formal ist Grönland autonomer Teil des Königreichs Dänemark mit umfassender Selbstregierung, die seit 2009 durch das Selbstregierungsgesetz geregelt wird.

 

Demnach hat Grönland das Recht auf Selbstbestimmung, während Dänemark für außen- und verteidigungspolitische Fragen sowie die Währung zuständig ist.

 

1982 sprachen sich die Grönländerinnen und Grönländer in einem Referendum für den Austritt aus der Vorgängerorganisation der heutigen Europäischen Union, der Europäischen Gemeinschaft (EG), aus. Dieser erfolgte 1985.

 

Seither haben die Inselbewohnerinnen und -bewohner – die zu 90 Prozent der indigenen Volksgruppe der Inuit angehören – zwar die dänische Staatsbürgerschaft, sind aber keine EU-Bürgerinnen und Bürger mehr.

 

Hinwendung Islands zur EU

 

Anders als Grönland hat sich Island unter dem Eindruck der weltpolitischen Verwerfungen zuletzt wieder verstärkt der Europäischen Union zugewandt.

 

Einer Umfrage zufolge lehnen 85 Prozent der grönländischen Bevölkerung die US-Pläne ab. Die Debatte über Trumps Aussagen hat die jahrzehntelange Diskussion über eine mögliche Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark befeuert. 

 

Wegen Trumps Plänen zog Grönland 2025 seine Parlamentswahlen vor. Die Wahlergebnisse bestätigten vor allem eins: Die große Mehrheit der Bevölkerung will sich von Dänemark lossagen.

 

Allerdings ist Grönland weiterhin stark auf finanzielle Unterstützung aus Kopenhagen angewiesen, die aktuell rund die Hälfte der Einnahmen ausmacht. Der neue Regierungschef Jens-Frederik Nielsen zielt daher auf eine schrittweise Unabhängigkeit und will den Schwerpunkt auf Wirtschaftspolitik legen. 


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