13.06.2026
China setzt verstärkt auf die arktische Karte. Dies zeigt der inoffizielle Besuch, den der chinesische Botschafter kürzlich dem Arktischen Observatorium im Norden Islands abstattete. Das ehrgeizige Ziel Pekings: bis zum Jahr 2050 zur polaren Großmacht zu werden

Chinas Botschafter in Island, He Rulong, hat das Chinesisch-Isländische Arktis-Observatorium (CIAO) im Mai im Norden Islands besucht. Dies berichtete jetzt die Tageszeitung Morgunblaðið in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf das scheidende Ratsmitglied von Þingeyjarsveit, Arnór Benónýsson.
Bei dem Observatorium handelt es sich um eine gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung in Kárhóll rund 60 Kilometer östlich von Akureyri.
Seit Oktober 2018 erforschen das Polar Research Institute of China und das isländische Rannís dort den Weltraum und das Klima. Schwerpunkte sind die Polarlichter, das Weltraumwetter, Atmosphärenwissenschaften, Glaziologie und der Klimawandel.
Auf der Station, die Platz für zehn Personen bietet, arbeiten multidisziplinäre Forschungsteams.
Das Arktische Observatorium war im Zuge eines 2012 geschlossenen Rahmenabkommens über den Ausbau der arktischen Kooperation zwischen beiden Ländern errichtet worden; diese legt den Schwerpunkt auf Forschung und Transport im arktischen Raum, so Morgunblaðið.
China will polare Großmacht werden
Bis 2050 wird der Nordpol nach neuesten Berechnungen in vielen Sommern eisfrei sein. Die Eisschmelze eröffnet ganz neue Schifffahrtsrouten und die Aussicht auf gewaltige Rohstoffvorkommen.
Das weckt Begehrlichkeiten – weit über die Arktis-Anrainer hinaus.
So hat Peking in den vergangenen Jahren seine Ambitionen am Nordpol massiv vorangetrieben. Mit der Polaren Seidenstraße will China als selbsternannter arktisnaher Staat bis 2030 zur „polaren Großmacht“ werden.
Dazu sollen unter anderem auch die beiden Forschungsstationen in Norwegen und Island dienen.
Die Verwerfungen, die Russlands Krieg gegen die Ukraine für den Arktischen Rat – das einzige zwischenstaatliche Gremium, das sich ausschließlich der Nordpol-Region widmet – mit sich gebracht hat, dürften da gerade zur richtigen Zeit kommen.
Bei dem Besuch des chinesischen Botschafters handelte es demnach nicht um eine offizielle Visite. Doch ein reiner Höflichkeitsbesuch dürfte es kaum gewesen sein.
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