27.03.2021

In Island wohnt das Glück

Im World Happiness Report der Vereinten Nationen landet Island in diesem Jahr auf dem glücklichen zweiten Platz. Die Glücksformel der Isländer:innen gerade in Krisenzeiten: Gesundheit, Fürsorge und soziale Gerechtigkeit.

 

Bild von Michael Blum auf Unsplash.
Bild von Michael Blum auf Unsplash.

 

Die Suche nach dem Glück führt nach Island. Im soeben veröffentlichtenWorld Happiness Report der Vereinten Nationen (UN) landet der Inselstaat zufrieden auf dem zweiten Platz. Überholt werden die Isländer:innen nur von den Nachbar:innen aus Finnland, die bereits zum vierten Mal in Folge glücklicher Weltmeister sind.

 

Menschen aus 156 Ländern hat ein internationales Forscherteam nach ihrer Lebenszufriedenheit befragt. Dieses Mal standen die Auswirkungen der Pandemie auf das Wohlbefinden im Mittelpunkt der Studie. Das Glücksempfinden, so das Fazit der Wissenschaftler:innen, hänge auch und gerade in Krisenzeiten von Faktoren wie Fürsorge, Wohlfahrt und guter Regierungsführung ab.

 

Seit 2012 veröffentlichen die Vereinten Nation den Report - jedes Jahr am 20. März, dem Internationalen Tag des Glücks. Was kurios klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn nicht überall haben die Menschen so viel Glück wie in den reichen Industrieländern. Weltweit leben mehr als 736 Millionen in extremer Armut. Vor allem Kinder, Frauen und Männer in Südasien und Subsahara-Afrika gehören laut Weltbank zu den Ärmsten, die pro Tag weniger als 1,90 US-Dollar zum Überleben haben.

 

Die Uno hat deshalb Grundbedingungen zum Glücklichsein formuliert: Mindestens 2.000 Kalorien und Zugang zu 100 Litern Wasser täglich, Platz zum Kochen, sechs Quadratmeter Wohnraum und eine sechsjährige Schulbildung. 

 

Denn der UN-Bericht bestätigt nur, was auf der Hand liegt: Länder wie Simbabwe und Tansania zählen nicht nur zu den ärmsten der Welt - ihre Bevölkerung ist auch am unglücklichsten.

 

Wie glücklich können sich dagegen die Nordländer:innen schätzen, die selbst die Corona-Krise bislang gut überstehen. Neben Finnland und Island finden sich auch Dänemark, Schweden und Norwegen in den Top 10 der glücklichsten Länder.

 

Was die Skandinavier so zufrieden macht? Dass die meisten keine großen Sorgen haben. Die Länder sind reich an Ressourcen, es gibt wenig Armut, geringe Einkommensunterschiede, und die Menschen vertrauen Behörden, Polizei und Justiz sowie ihren Nachbar:innen. Schlechtes Wetter und karge Landschaften, so der überraschende Befund der Forscher:innen, drücken den Nordlichtern hingegen kaum aufs Gemüt.

 

Islands Glücksformel

 

Die Glücksformel der Isländer:innen hat Dóra Guðmundsdóttir von der isländischen Gesundheitsbehörde dem Greater Good Magazin verraten: "In einem kleinen Land wie Island ist es leicht, engen Kontakt zu Familie und Freunden zu halten. Die meisten Menschen leben nur eine Stunde Fahrtzeit von der Hauptstadtregion entfernt."

 

Obwohl Island zu den am wenigsten besiedelten Ländern in Europa gehört, fühlen sich 99% der Isländer:innen nicht einsam. Die Abgeschiedenheit der Insel und das raue Klima haben über die Jahrhunderte das Wir-Gefühl gestärkt. Ob Einkommensverteilung, Gender Pay Gap oder Bildungsgerechtigkeit: In Island wird soziale Gerechtigkeit großgeschrieben.

 

Auch die gute Gesundheitsversorgung wissen die Isländer:innen zu schätzen. Bislang ist das Land vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Das hängt mit seiner Insellage zusammen, aber auch mit einer stringenten Strategie: umfassende Tests, eine konsequente Kontaktverfolgung sowie strenge Quarantäne- und Isolationsregeln. Das dürfte das Vertrauen in Regierung und Behörden noch stärken. 

 

Faktoren, die laut Guðmundsdóttir ein Gefühl von Sicherheit und Freiheit geben. "Die Menschen fühlen sich weniger gefangen in den Verhältnissen und sind zufriedener." Das Einkommen hingegen, so die Wissenschaftlerin, trage nur 1% zum Glücklichsein bei.

 

Auch Islands Regierung hat erkannt, dass es mehr zum Glück braucht als Wirtschaftswachstum. Ende 2019 hat Premierministerin Katrín Jakobsdóttir eine Wohlfahrtsagenda präsentiert: Künftig soll die Haushaltsplanung auch Faktoren berücksichtigen, die das Wohlergehen der Bevölkerung fördern. Gemessen wird nicht mehr nur, was ein Preisschild hat, sondern auch Lebensqualität oder Nachhaltigkeit. Well-being Economy eben.  

 

Das zeigt: Wohlbefinden ist keine Glückssache, sondern hängt von vielen Faktoren ab. Das hat offenbar auch Deutschland aus der Krise gelernt: Es machte während der Pandemie einen deutlichen Satz nach vorne und kletterte im World Happiness Report im vergangenen Jahr vom 17. auf den 7. Rang. 

 

Bei aller Freude sollte uns der aktuelle UN-Bericht auch daran erinnern, dass es neue Wege braucht, um Menschen überall auf der Welt ein besseres Leben zu ermöglichen. Denn wie formuliert es die Uno zu Recht: Glück ist ein grundlegendes Menschenrecht.  

 

Text: Nicole Maschler