13.05.2021

Eine saubere Sache

Mit einer neuen Technologie will ein Start-up aus Island klimaschädliches CO2 in Stein verwandeln. Für die Industrie soll das günstiger sein, als die Treibhausgase einfach in die Luft zu pusten. Ein Geschäft, das sich am Ende für alle lohnen könnte.  

 

Bild von Ludovic Charlet auf Pixabay.
Bild von Ludovic Charlet auf Pixabay.

 

Mit einer neuen Technologie will ein Start-up aus Island schädliche Klimagase in Stein verwandeln. Bis 2030 sollen so drei Millionen Tonnen CO2 im Boden gespeichert werden.

 

Noch in diesem Jahr ist Baustart für ein Importterminal im Südwesten der Insel, teilte die Projektgesellschaft Carbfix Ende April mit. Die Investitionskosten belaufen sich auf 190 bis 220 Millionen Euro. Carbfix hat vor allem Industriekunden aus Großbritannien und Nordeuropa im Blick. Bei voller Kapazität soll das Terminal zwischen 25 und 45 Millionen Euro pro Jahr einbringen.

 

Das Verfahren stammt aus der Natur: CO2 wird in Wasser gelöst und dann 700 Meter tief in den Boden gepumpt. Der besteht aus porösem Basaltgestein, das große Mengen an Magnesium, Kalzium und Eisen enthält. Reagieren diese Mineralien mit dem Wasser und Kohlendioxid, beginnt dieses zu versteinern – es bilden sich (harmlose) Karbonate.

 

Durch diese mineralische Verwitterung wird jedes Jahr rund eine Gigatonne CO2 auf natürliche Weise aus der Atmosphäre gesaugt. Das Problem: die durch den Menschen verursachten Emissionen aus Industrieproduktion, Energieerzeugung oder Verkehr. Denn sie umfassen jedes Jahr weitere 40 Gigatonnen CO2 – zu viel für die Natur.

 

Carbfix macht sich den natürlichen Mechanismus nun jedoch zunutze und beschleunigt ihn. In zwei Jahren wird Kohlendioxid so in Gestein verwandelt – und bleibt für immer darin eingeschlossen. Das von einem internationalen Team aus Forschung und Energiewirtschaft entwickelte Verfahren ist wissenschaftlich anerkannt und wird von der Europäischen Union finanziert.

 

Lohnendes Geschäft für alle

 

Das erste Projekt zielte 2014 darauf, CO2 aus einem Geothermie-Werk einzusparen. Bisher ist es gelungen, ein Drittel der ausgestoßenen Treibhausgase aufzunehmen. Doch die Carbfix-Macher denken größer.

 

Für Industriekunden soll es künftig günstiger sein, das CO2 einzulagern, als es einfach in die Luft zu pusten: Pro Tonne verpresstes CO2 will Carbfix weniger als 20 Euro berechnen – ein Schnäppchen. Schließlich kosten CO2-Emissionszertifikate aktuell mehr als das Doppelte. Und: Je teurer diese werden, desto mehr rentiert sich das Geschäft für die Wirtschaft.

 

Auch für Carbfix könnte sich der Deal lohnen. Denn Island hat fast unerschöpfliche Energiequellen: Wasserkraft und Geothermie, die Wärme aus der Erde. Und Basaltgestein ist erkaltete Lava – auch die gibt es auf der Vulkaninsel zuhauf. Theoretisch könnte Island alles CO2 der Welt speichern. Praktisch dürfte das allerdings schwierig werden.

 

Denn neben den Kosten für die Speicherung schlägt auch der Transport zu Buche. Je nach Entfernung werden hier noch einmal 20 bis 50 Euro pro Tonne CO2 fällig, schätzt man bei Carbfix. Billig wird das nicht – und klimafreundlich schon gar nicht. Schließlich müsste das CO2 erst von der Produktionsstätte, wo es angefallen ist, auf die Insel verschifft werden.

 

Und deshalb dürfte die Technologie aus Island wohl bald schon andernorts getestet werden. Hauptsache, am Ende rechnet es sich fürs Klima.


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