11.05.2022

Kunstwerk zum Hören

Das Konzert- und Konferenzhaus Harpa ist das neue Wahrzeichen von Reykjavík. Zum zehnjährigen Geburtstag gab es nun ein ganz besonderes Geschenk: eine Skulptur der isländischen Künstlerin Elín Hansdóttir, die man nicht nur sehen kann, sondern auch hören. 

 

 

Drinnen wird musiziert, draußen erklingt die Windharfe. Zum zehnjährigen Jubiläum ziert jetzt die Skulptur Himinglæva der isländischen Künstlerin Elín Hansdóttir den Platz vor dem Konzert- und Konferenzhaus Harpa in Islands Hauptstadt Reykjavík. 

 

Premierministerin Katrín Jakobsdóttir und Reykjavíks Bürgermeister Dagur B. Eggertsson weihten das Kunstwerk aus Edelstahl am Wochenende ein. 

 

Benannt ist die Skulptur nach Himinglæva, einer der neun Töchter der Seegöttin Rán und des Meeresriesen Ægis aus der nordischen Sagenwelt. Seeleute glaubten, dass das mystische Wesen der Wellengeist sei und ihr Schiff lenke. Der Name der Göttertochter, der aus dem Altnordischen kommt, heißt denn auch transparente Welle oder Die, durch die man den Himmel sehen kann.

 

Und wie Himinglæva spielt auch die Skulptur mit den Naturelementen. Die Saiten der Äolsharfe werden durch den Wind zum Klingen gebracht; mit der Windstärke verändert sich der Klang.

 

Optisch hat sich Elín Hansdóttir für ihre Skulptur von der sog. Lissajous-Figur inspirieren lassen – einem Modell, das die Zusammensetzung von Schwingungen verschiedener Richtungen veranschaulichen soll; zur Demonstration werden häufig zwei Stimmgabeln benutzt – wie passend für die Harpa-Skulptur. 

 

Eigene Wahrnehmung hinterfragen  

 

In ihrer Kunst arbeitet Elín Hansdóttir häufig mit interaktiven Installationen an ungewohnten Orten, die ein Licht auf die eigene Wahrnehmung werfen. „In meiner Arbeit interessiere ich mich für Momente, in denen ein bestimmter Ort oder das Wesen eines Raumes Gefühle in einem hervorrufen“, beschrieb sie ihr Konzept einmal gegenüber dem Bühne-Magazin.

 

Und so erforscht Himinglæva nicht nur, wie eine Skulptur die natürliche Umwelt filtern kann, sondern lädt auch Flanierende dazu ein, ihre Umgebung neu „zu hören“.

 

Obwohl die Skulptur erst seit wenigen Tagen vor der Harpa zu bestaunen ist, hat sie doch schon eine lange Vorgeschichte. Sie war nämlich schon 2008, noch vor der Fertigstellung des Konzert- und Konferenzhauses, aus einem Designwettbewerb als Siegerentwurf hervorgegangen.

 

Doch dann kam die Bankenkrise, und das Projekt scheiterte vorerst an der Finanzierung. Erst eine Geldspende der Stadt Reykjavík unter Beteiligung des isländischen Staates machte das Vorhaben doch noch möglich.

 

Elín Hansdóttir, die in verschiedenen Disziplinen wie Installation, Skulptur und Fotografie arbeitet, siedelte für ihr Masterstudium nach Berlin über und pendelt seither zwischen beiden Ländern. Bis Ende April war sie zu einem Arbeitsaufenthalt im Künstlerhaus Bethanien in der deutschen Hauptstadt.

 

Doch in ihren Werken beschäftigt sie sich immer wieder mit ihrer Heimat. Himinglæva ist dafür ein klingendes Beispiel.  


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