09.04.2021

Am Ende der Welt einfach links abbiegen

In Kalmann folgen wir Joachim B. Schmidts schrulligem Titelhelden durch Islands rauen Nordosten und geraten in einen mysteriösen Mordfall. Deutschlandfunk Kultur hat daraus ein spannendes Hörspiel gemacht.

 

Foto von Luciano Braga auf Unsplash.
Foto von Luciano Braga auf Unsplash.

 

 

Hinter Raufarhöfn endet die Welt. Oder doch schon davor? Das kleine Dorf im Nordosten Islands liegt nur wenige Kilometer vom Polarkreis entfernt. Früher lebten die Menschen hier vom Fischfang und von den Tourist:innen. Doch das ist lange her. Heute stehen Lager und Schuppen leer; wer kann, der geht. Geblieben sind nur die Alten - und Kalmann, der Dorfdepp, wie manche sagen, ein Sonderling. 

 

Weg ist auch Robert McKenzie, der "König von Raufarhöfn". Spurlos verschwunden, von einem Tag auf den anderen. Vielleicht schläft er irgendwo seinen Rausch aus oder amüsiert sich in Amsterdam? Fragen, die auch die Polizei interessieren. Denn McKenzie ist der reichste Mann am Ort, ihm gehört das Hotel, die Schule, der Golfplatz - das gesamte Dorf. Besonders beliebt war er deswegen nicht, im Gegenteil. Ein Kapitalistenschwein.

 

Kommissarin Brina ist aus Reykjavík gekommen, um den mysteriösen Fall aufzuklären. Denn Kalmann ist zwar der Sheriff von Raufarhöfn, mit verrosteter Pistole, Schrotflinte und Stern. Aber in dieser Angelegenheit ist er auch Zeuge, der einzige, und kein sehr zuverlässiger. Auf der Jagd nach Polarfüchsen hat Kalmann die Blutlache entdeckt. Sagt er. Vielleicht ein Eisbär, die kommen manchmal aus Grönland rüber. Auch wenn das mal wieder keiner glaubt. 

 

Wenn Kalmann wütend wird, macht er alles platt. Und er wird oft wütend. So wie jetzt, als ihn die Kommissarin aus der Stadt verhört und alle diese Fragen stellt. Und dann ist plötzlich Magga tot, Kalmanns Nachbarin.

 

Der Schweizer Autor und Journalist Joachim B. Schmidt, der selbst seit 13 Jahren auf Island lebt, hat mit Kalmann eine besondere Figur geschaffen, von Deutschlandfunk Kultur mit Schauspieler und Sprecher Tino Mewes kongenial übersetzt. Einen wunderlichen Ich-Erzähler, der uns die Welt mit seinen Augen zeigt. Der harmlos erscheint und doch wieder nicht, dem wir trauen wollen und doch misstrauen. 

 

Mit viel Sympathie und Feingespür zeichnet Schmidt das Bild einer Region, die dem Strukturwandel wenig entgegenzusetzen hat und langsam ausblutet. Das ist weniger düster, als es klingt - dafür sorgt schon der Sheriff mit dem kindlichen Gemüt. Am Ende allerdings wird es richtig ernst, und nur der Gammelhai kann da noch helfen. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Text: Nicole Maschler

 

 

Kalmann

Nach dem Roman von Joachim B. Schmidt

 

Bearbeitung: Andrea Czienski

Regie: Wolfgang Seesko

Ton und Technik: Thomas Monnerjahn, Christoph Richter

 

mit: Tino Mewes, Anne Ratte-Polle, Michael Hanemann, Gisa Flake,

Joachim Bliese, Matti Krause, Friedhelm Ptok, Mathias Renneisen, Michael Rotschopf

 

Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2021

Länge: 54´30