Island in Corona-Zeiten

Die Corona-Krise bleibt auch in Island nicht ohne Auswirkungen auf die Wirtschaft. Der Tourismus, der den wichtigsten Wirtschaftssektor darstellt, ist stark eingebrochen. Viele Beschäftigte sind in Kurzarbeit.

Abstand halten ist auf Island leichter als andernorts. Bild von Monica Volpin auf Pixabay.
Abstand halten ist auf Island leichter als andernorts. Bild von Monica Volpin auf Pixabay.

 

15.04.2020

 

Einen Urlaub, der in Erinnerung bleibt, wünschen sich alle. Doch für die Reisenden, die im Februar aus dem Skiurlaub in Tirol zurückkehrten, kam in Island das böse Erwachen: Sie hatten das neue Corona-Virus mitgebracht. Am 28. Februar wurde der erste Fall bestätigt.

 

Schon eine Woche später, am 6. März, wurde der Krisenstand in dem rund 360.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zählenden Inselstaat ausgerufen. Seither heißt es auch auf Island Abstand halten. Versammlungen mit mehr als 20 Personen sind verboten, weiterführende Schulen und Universitäten geschlossen, viele Beschäftigte im Homeoffice. Kindergärten und Grundschulen sind zwar noch geöffnet, laufen aber meist im Schichtbetrieb, um die Gruppen möglichst klein zu halten.

 

Die Corona-Krise bleibt auch in Island nicht ohne Auswirkungen auf die Wirtschaft. Der Tourismus, der den wichtigsten Wirtschaftssektor darstellt, ist stark eingebrochen. Zwar können Reisende aus EU- und EFTA-Ländern weiterhin einreisen, aber für alle anderen Länder gelten strikte Einreisebeschränkungen. Viele Beschäftigte sind in Kurzarbeit.

 

In dieser Woche hat die isländische Regierung angekündigt, die Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie zu lockern; sie folgt damit dem Beispiel Dänemarks und Norwegen. Ab dem 4. Mai sollen die Schulen wieder normalen Unterricht bieten, ebenso Universitäten und Hochschulen. Friseurläden, Massagepraxen, aber auch Museen können wieder öffnen. Damit gehört Island zu den Ländern, die zu einem frühen Zeitpunkt das Alltagsleben wieder anlaufen lassen.

 

Vorausschauendes Vorgehen in der Pandemie

 

Auch in anderer Hinsicht war Island vorneweg: Die Insel gilt als internationales Musterbeispiel für einen vorausschauenden Umgang mit dem neuen Krankheitserreger. Bereits Anfang Februar, also Wochen vor dem Ausbruch der Pandemie auf der Insel, begannen die Gesundheitsbehörden mit Screenings auf das SARS-CoV-2-Virus. Im weltweiten Vergleich hat der Inselstaat die meisten Tests pro Kopf der Bevölkerung durchgeführt, um Informationen zu erhalten, wie sich das Virus in der Gesellschaft entwickelt. Das Gesundheitswesen testet dabei nur Personen, die Krankheitssymptome zeigen. Freiwillige Tests für die gesamte Bevölkerung bietet hingegen das Unternehmen Decode Genetics, eine Tochterfirma des US-Biotech-Konzerns Amgen.

 

Da Island nur wenige Einreisepunkte hat und zudem die niedrigste Bevölkerungsdichte in ganz Europa, konnten Infizierte rasch identifiziert und schnell Maßnahmen ergriffen werden. Mehr als 1.700 Personen haben sich mit der Krankheit infiziert, mehr als 100 wurden im Krankenhaus behandelt, wie Islands Fremdenverkehrsamt auf seiner Website berichtet (Stand: 15.04.2020). Fünf Menschen sind bisher an bzw. mit der Krankheit gestorben.

 

Als erstes europäisches Land hat Island zudem Anfang April eine Kontakt-App eingerichtet: „Rakning-Covid-19“, die die Bewegungsprofile der Nutzer aufzeichnet, wurde von der isländischen Zivilschutzbehörde und dem Gesundheitsdirektor entwickelt. Ihre Nutzung ist freiwillig. Das Angebot wird angenommen: Bisland hat mehr als ein Drittel der Bevölkerung die App aufs Handy geladen. Dazu dürfte sicherlich auch beigetragen haben, dass die Datenschutzbehörde von Anfang an in die Entwicklung der Tracking-App einbezogen war; auch ist der Programmiercode öffentlich, kann also überprüft werden.

 

Und klar ist auch: Der Corona-Exit soll schrittweise erfolgen, wie Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir und Gesundheitsministerin Svandis Svavarsdóttir auf einer Pressekonferenz am Dienstag nach Ostern mitteilten. Und: Die Zwei-Meter-Abstandsregel bleibt bestehen; Sozialkontakte sollen auch weiterhin auf ein Minimum begrenzt werden.