15.03.2020

Islands Markenzeichen

Ein Islandpulli ist wie die Insel und ihre Bewohnerinnen und Bewohner: genügsam, unverwüstlich und ein bisschen kratzig. Jetzt ist der wollige Freund ein eingetragenes Markenzeichen - und die Konkurrenz muss sich warm anziehen. 

 

Bild von Walter Bichler auf Pixabay.
Bild von Walter Bichler auf Pixabay.

 

Für Isländerinnen und Isländer und alle Island-Fans gehört er zur Grundausstattung: der handgestrickte Islandpullover mit der gemusterten Rundpasse an Hals und Schultern. Nun ist der Wollfreund als Markenzeichen gesetzlich geschützt.

 

Nach Lammfleisch ist der íslensk lopapeys die zweite Ware aus Island, die unter besonderen Schutz gestellt wird. Den Antrag hatte der isländische Handstrickverband gestellt und sich dabei ein Gesetz von 2015 zunutze gemacht.

 

Beliebt ist der Islandpulli weit über die Grenzen Islands hinaus - so wurde er für die Ökobewegung in der alten Bundesrepublik einst zum Erkennungszeichen.

 

Ein Kleidungsstück wie gemacht für die Abenteuer des Lebens: das Wandern und die Segeltour auf der stürmischen Nordsee, den Ritt auf dem Islandpony oder den gemütlichen Winterabend auf dem Sofa. Denn was bei Schafen gegen Wind und Wetter hilft, funktioniert auch beim Menschen prima.

 

Und so ist der Pullover wie die isländische Landschaft: schlicht, unverwüstlich und ein bisschen rau. Ein Stück Identität.

 

Das kratzige Stück wärmt auch in ungemütlichen Zeiten

 

Kein Wunder, dass die Isländerinnen und Isländer ihren wolligen Begleiter lieben - besonders wenn die Lage ungemütlich wird.

 

So war der Pulli ein Must-have nach der Unabhängigkeit Islands 1944, und auch in der Bankenkrise 2008 wärmten sich die Isländerinnen und Isländer an dem guten Stück.

 


 

„Stricken hat so was Tröstliches. Die Leute brauchten so was nach dem Crash. Zurück zu den Wurzeln“, erklärt Strick-Expertin Ragga Eiriksdóttir den damaligen Pulli-Boom im Deutschlandfunk Kultur

 

Zwar wird in Island seit Jahrhunderten gestrickt. Doch den Islandpulli, wie wir ihn kennen, gibt es erst seit etwa 1900. Vermutlich entwickelte sich der jetzige Stil über Jahre hinweg – und traditionelle Muster aus Schweden und Grönland standen Pate.

 

In Zukunft muss ein Islandpulli jedoch strenge Kriterien erfüllen:  

  • Das Wichtigste: Die Wolle muss von einem isländischen Schaf stammen. Kein Problem – gibt es doch in Island mehr Tiere als Menschen.
  • Außerdem muss er handgestrickt sein - und nicht etwa schnöde zusammengenäht wie sein Namensvetter aus Norwegen.
  • Ein eingenähtes Schildchen Made in Iceland reicht nicht mehr aus. Es sollte schon ein Original sein.

 

Keine Frage: Hersteller aus anderen Ländern müssen sich künftig warm anziehen. 


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